In Memoriam
Dr. med. Friedrich-Wilhelm Harriehausen
Praktischer Arzt, Philanthroph, Galerist und Kunstmäzen

Er war Arzt aus Berufung mit ungewöhnlicher, geradezu genialer medizinischer Intuition. In vielen "hoffnungslosen Fällen", die von den Schulmedizinern bereits aufgegeben worden waren, hat er den Patienten zu vielen weiteren lebenswerten Jahren verholfen. Er war in der Lage, am Telefon treffsicher Diagnosen in komplizierten Fällen zu stellen und hat damit nachweislich Menschen bei akuten Krankheiten das Leben gerettet.

Sein Interesse galt neben der Medizin der Feinmechanik, der Elektrotechnik, der Kunst sowie den Dingen zwischen Himmel und Erde, die man nicht sehen kann. Unterrichtende Tätigkeiten haben ihm immer Freude bereitet. Sein normales Arbeitspensum lag bei 14 Stunden pro Tag.
 
 

Einige Lebensstationen von Dr. med. Friedrich-Wilhelm Harriehausen
nach seinen eigenen Angaben, ohne Gewähr
20. Februar 1926
Geburt  in Kassel als Sohn des aus Obernjesa bei Göttingen stammenden Gustav Harriehausen und seiner Ehefrau Frieda Harriehausen, geb. Schindewolf, deren Familie aus Frankershausen in Nordhessen stammt.
1932 bis 1936 
Bürgerschule 29 (Grundschule Süd) in der Tischbeinstraße in Kassel unter Rektor Kramer bei  Lehrer Eckel.
1936-1943
Realgymnasium 1 (RG1, ehemalige Paul-von-Hindenburg-Schule) in Kassel. 
In dieser Zeit Chorsänger und Statist am Staatstheater in Kassel. 
Auf eigenes Betreiben Ausbildung zum Feldscher (Sanitäter).
Ab ca. 1941 Schulunterricht in der Flak-Stellung auf dem Rammelsberg/Wilhelmshöhe.
1941 Konfirmation in der Karls-Kirche zu Kassel bei Pfarrer Oehme.
1944 Erlangung der Hochschulreife mit den Schwerpunkten Physik, Chemie, Mechanik.
Nach dem Namen ihres Klassenlehrers Gustav Bilsing nannten sich die Schüler seiner Klasse "Bilsing-Knaben" und trafen sich zusammen mit den Schülern der Parallelklassen, die sich "Drückeberger" bzw. "Zippel-Banditen" nannten, unter Leitung von Helmut Schenk aus Kassel jahrzehntelang regelmäßig. 
Februar 1943
- Juli 1945
Luftwaffenhelfer in der FlAK-Batterie am Rammelsbergbei Kassel, Dienststelle L 55 400. Alle Schüler einer Parallelklasse wurden bei einem Volltreffer auf die Batterie getötet. 
Erteilung eines Patentes für eine FlAK-Zielvorhaltevorrichtung.
Kriegseinsatz als Sturmpionier in Aschaffenburg, später als Sanitäter bei Cherbourg
Mehrere Kriegsverwundungen durch Granatsplitter an Armen und Beinen. 

Vom Kriegslazarett in Frankreich verlegt ins Feldlazarett im Schloss Wolfsbrunn bei Eschwege. Dort unter Dr. med. Franz Pieroth Mitwirkung beim Krankenpflegedienst und bei Dienstleistungen im Operationssaal.
Stubenkamerad: Fritz Sauer.
In Schloss Wolfsbrunn in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten und in das  Rheinwiesenlager bei Bad Kreuznach transportiert worden, wo tausende von Gefangenen unter freiem Himmel, teilweise in selbst gegrabenen Erdlöchern, versuchten, die nasskalte Jahreszeit zu überleben. Sehr viele seiner Mitgefangenen starben. Einer seiner Mitgefangenen war Hans Allwang

1945 Fern-Immatrikulation an der Philipps-Universität in Marburg im Studiengang Medizin.
1946 Anerkennung eines im Fernstudium absolvierten Vorsemesters als erstes Fachsemester. 
Danach Beginn des regulären Medizinstudiums an der Philipps-Universität in Marburg, nebenbei Studium der Zahnmedizin, da er sich besonders für Rheumatologie interessierte und ihm klar war, dass der Fokus bei rheumatischen Erkrankungen oft im Gebiss liegt.
Umzug nach Marburg in eine Erkerwohnung bei Luise Becker.
Seine akademischen Lehrer waren u. a. die Professoren 
Alfred Benninghoff (Anatomie), Hans Erhard Bock (Innere Medizin), Clausen (Biologie), Rudolf Dittler (Physiologie), Augustin Förster (Forensische Medizin), Wilhelm Grüter (Augenheilkunde), Herwig Hamperl (Pathologie), Hans Heuser (Zahnmedizin), Karl Kalkoff (Dermatologie), Carl Kaufmann (Frauenheilkunde), Manfred Kiese (Pharmakologie), Rudolf Klapp (Orthopädie), Kurt Kramer (Physiologie), Friedrich Linneweh (Kinderheilkunde), Alfred Schwenkenbecher (Klinische Medizin), Ferdinand Wagenseil (Anatomie), Rudolf Zenker (Chirurgie) sowie 
Eduard Grüneisen (Festkörperphysik), Richard Hamann (Archäologie), Trautwein (Chemie), Winfried Trusen (Philosophie), 
März 1948 Ärztliche Vorprüfung in Humanmedizin in Marburg bestanden.
Juni 1948 Staatsexamen als Masseur an "Dr. Rohrbachs staatlich anerkannter Massageschule" in Kassel bestanden.
April 1949 Ärztliche Vorprüfung in Zahnheilkunde bestanden. 
Dezember 1951
Staatsexamen in Humanmedizin in Marburg bestanden. Bestallung zum Arzt.
Juni 1953 Staatsexamen in Zahnmedizin in Marburg bestanden. Bestallung zum Zahnarzt.
Juli 1953 -
November 1954
Wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Dr. Kurt Kramer am Physiologischen Institut der Universität Marburg.
November 1954 Promotion in Humanmedizin [1] bei Prof. Klapp in Marburg.
1954-1955 Nach Abschluss des Medizinstudiums im Wintersemester 1954/55 und im Sommersemester 1955 Mathematik, Physik, Physiklische Chemie belegt.
Lebte in einer Mietwohnung, die Studienrat Dr. Weller gehörte.
Juli 1955 -
Februar 1956
Pflichtassistentenzeit bei Prof. Dr. Heinrich Lampert an der Weserbergland-Klinik und Fachklinik für Physikalische Therapie und Grenzmedizin in Höxter. In dieser Zeit Mietwohnung bei Mutter Bolte in Höxter.
Dezember 1955 Vollapprobation als Arzt.
März 1956 Vertretung von Dr. med. Hans-Erich Henning in Lindhorst.
Juli 1956 -
Januar 1957
Assistenzarzt bei Prof. Dr. med. L. Delius am Gollwitzer-Meier-Institut (Balneologisches Institut der Universität Münster) in Bad Oeynhausen.
Februar 1957
- April 1958
Assistenzarzt bei Dr. med. Arrien Evers am Staatlichen Balneologischen Institut in Bad Nenndorf. In dieser Zeit Veröffentlichung von [2].
Mai 1958 
- April 1960
Assistenzarzt bei Dr. med. Werner Hering in der Inneren Abteilung des von Prof. Dr. med. Nell geleiteten Krankenhauses Bethel in Bückeburg.
Mai 1960 
- Mai 1961
Assistenzarzt bei Prof. Dr. med. Nissen im Stadt- und Kreiskrankenhaus Minden zur Ausbildung und Anerkennung als Facharzt für Inneres.
Mai 1961
- Juni 1961
Vertretung von Dr. med. Wilhelm Bröer in Dankersen bei Minden.
Juni 1961
Eröffung der eigenen Praxis in der Herminenstraße 15a in Bückeburg
Im August 1961 Zulassung als Kassenarzt.
Januar 1967 Zulassung als Badebetrieb.
Juli 1967 Eröffnung der eigenen Praxis in der Tegeler Plate 9 in Bremen-Huchting.
ca. 1969
- ca. 1976
Betrieb eines Rehabilitations- und Vorsorgezentrums in der Robbenplate 23 in Bremen-Huchting.
ca. 1970
- ca. 1974
Betrieb der Galerie "Interpreta" in der Robbenplate 21 in Bremen-Huchting zusammen mit Dr. med. Lessle.
Zu den Künstlern, die hier ihre Werke präsentierten, gehörten Tom Mosley, Roy Adzak, Annette Ziegler (1972), Roswitha Lüder (1972), Hartmut Girke (1973), Bernd Wagenfeld, Kurt Melzer (1974), ...
ca. 1970
- ca. 1975
Betrieb einer Physikalisch-therapeutischen Abteilung in der Den Haager Straße in Bremen-Huchting.
ca. 1972
- ca. 1976
Betrieb einer Station für Suchtkranke in der Den-Haager Straße in Bremen-Huchting.
ca. 1978
- ca. 1980
Betrieb des Künstler-Treffpunkts "Camp 92" in der Kirchhuchtinger Landstraße 92 in Bremen-Huchting. Ausstellung u. a. von Werken von Armand Vilter.
ca. 1983?
Eröffnung der Galerie "Blaue Barke" im Kunstzentrum "Alte Molkerei" in Worpswede mit Fritz Hellwig und Bernd Hellwig. Namensgeber war Siegfried O. Stolle.
1990
Goldene Hochzeit seiner Schwester Ursula Hellwig, geb. Harriehausen
Dezember 1998 Übergabe der Praxis in der Tegeler Plate 9 an Dr. med. Andreas Großschädl.
2000 Umzug nach Dangast, dort Betrieb einer privatärztlichen Praxis für alternative Medizin und der Galerie "Blaue Barke".
2004
Erneuerung der Doktorwürde durch die Philipps-Universität Marburg.
August 2009
- März 2010
Akute Gesundheitsprobleme, Operation, danach mehrmonatiger Krankenhausaufenthalt in verschiedenen Krankenhäusern, zuletzt Unterbringung in einem Pflegeheim.
16. März 2010 Gestorben in Zetel bei Wilhelmshaven.
Beerdigt am 25. März.2010 auf dem Städtischen Friedhof in Bremen-Huchting.
Ein Bild seines Grabsteins findet man hier.

Literatur:
[1] Harriehausen, Friedrich-Wilhelm: Unterlagen für chirurgische Eingriffe im Kopf-Hals-Bereich des Hundes mit besonderer Berücksichtigung des Deutschen Schäferhundes. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades in der gesamten Medizin. Marburg an der Lahn : Philipps-Universität, Medizinische Fakultät, 1954. - Referent: Dr. med. habil. Klapp
[2] Harriehausen, Friedrich-Wilhelm: Über physikalische, chemische und biologische Probleme des Moorbades. In: Zeitschrift für angewandte Bäder- und Klimaheilkunde. Bd. 4 (1957) S. 454-460, Stuttgart : Schattauer. - ISSN 0084-5280

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Erstellt von Thomas Harriehausen. Letzte Änderung: 7. Januar 2017